Scharfe Kanten an belassenen Expressschlingen können Seile durchtrennen

Die Alpenvereine und das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit warnen vor einer bislang weitgehend unbekannten Gefahr für Sportkletterer an Felsrouten. Betroffen sind stark frequentierte Routen mit fixierten Expressschlingen an den Zwischensicherungen.

Scharfe Kanten an belassenen Expressschlingen können Seile durchtrennen

Die Alpenvereine und das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit warnen vor einer bislang weitgehend unbekannten Gefahr für Sportkletterer an Felsrouten. Betroffen sind stark frequentierte Routen mit fixierten Expressschlingen an den Zwischensicherungen. Dort können – unbemerkt von den Kletterern – scharfe Kanten entstehen, die selbst neuwertige Seile durchtrennen. Mehrere Unfälle aus den vergangenen Jahren deuten auf dieses Gefahrenmuster hin.

Die Unfälle

Im September 2012 stürzte im Klettergarten Magletsch (Schweiz) ein Vorsteiger, worauf das Seil riss und er sich tödliche Verletzungen zuzog. Im September 2010 stürzte ein Vorsteiger in Red River Gorge (USA), nachdem er den ersten Haken geklippt hatte, worauf das Seil riss, er auf den Boden abstürzte und sich schwer verletzte. Im April 2008 stürzte in einer Prager Kletterhalle der Vorsteiger kurz oberhalb der ersten Zwischensicherung, worauf das Seil komplett durchriss. Neben diesen drei dokumentierten Unfällen gibt es mehrere Berichte von aufgerissenen Seilmänteln nach Stürzen in belassene Expressschlingen – also in Expresschlingen, die bereits an den Zwischensicherungshaken hängen und nicht vom jeweiligen Vorsteiger selbst angebracht worden sind.

Die Unfallursache

Die tatsächliche Ursache des tödlichen Unfalls in der Schweiz ist noch nicht geklärt, die behördlichen Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Allerdings passt dieser Unfall von seinem Muster her zu den anderen beiden Unfällen. Auf die mögliche Ursache hinter den Unfällen der Seilrisse möchten die Alpenvereine und das Kuratorium jetzt hinweisen – insbesondere auch, weil diese Ursache unter Kletterern bislang weitgehend unbekannt ist.
Vor allem in überhängenden Kletterrouten ist es durchaus üblich, die Expressschlingen hängen zu lassen. Bei solchen Expressschlingen kann das Seil in Abhängigkeit von mehreren Faktoren mit der Zeit eine Kerbe in den seilseitigen Karabiner schleifen. Dies geht umso schneller, je häufiger die Route geklettert wird, je mehr das Seil im Karabiner abgelenkt wird und je schmutziger das Seil ist. Solche Einschleifungs-Kerben sind vielen Kletterern von Umlenkkarabinern her bekannt: Untersuchungen an solchen eingeschliffenen Umlenkern haben noch erstaunlich gute Bruchwerte ergeben – selbst wenn das Material fast bis zur Hälfte abgetragen war.

Allerdings gibt es einen eklatanten Unterschied zwischen einem eingeschliffenen Umlenk-Karabiner und einem eingeschliffenen Expressschlingen-Karabiner: Lässt man eine Person über einen fixen Karabiner ab, so wird das Seil an diesem um 180 Grad umgelenkt und schleift so Material ab. Dies verursacht am Karabiner eine runde Kerbe ohne scharfe Kanten.

Bei belassenen Expressschlingen läuft das Seil – je nach Routenverlauf – in unterschiedlichen Winkeln durch die Expressschlingen bzw. die seilseitigen Karabiner. Läuft z.B. das Seil bei überhängenden Routen nach außen weiter, kann es beim Ablassen den Karabiner einer Expressschlinge anders belasten – und damit auch anders einschleifen – als bei einem Sturz: Während bei einem Sturz das Seil in einem spitzen Winkel aus dem Karabiner ausläuft, kann es hier in einem flachen Winkel Material abtragen.

So kann mit der Zeit eine scharfe Metallkante entstehen, über die das Seil bei einem Sturz umgelenkt wird. Selbst neue Seile können auf diese Weise beschädigt bzw. durchtrennt werden.

Gleiches kann passieren, wenn das Seil in der ersten Expressschlinge stark umgelenkt wird, weil der Sichernde weit von der Wand weg steht. Dies dürfte die Erklärung für die Seilrisse an der ersten Zwischensicherung sein.

Diese potenzielle Gefahr durch eingeschliffene Karabiner in belassenen Expressschlingen ist nicht neu (bereits 2009 testete Black Diamond solche Szenarien und auch die DAV-Sicherheitsforschung hat einige Feldversuche unternommen), bei uns aber nahezu unbekannt. In der einschlägigen deutschsprachigen Literatur gibt es nahezu keine Hinweise auf dieses Unfallmuster bzw. wurden diese nicht ernst genommen.

Der Alpenverein Südtirol (AVS), der Deutsche (DAV) und Oesterreichische Alpenverein (OeAV) sowie der Schweizer Alpen-Club SAC und das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit werden Versuche zu dieser Problematik durchführen und in einer der nächsten Ausgaben der Zeitschrift bergundsteigen ausführlich darüber berichten.

Die Konsequenzen für die Praxis

Allgemein: Ein Klettergarten ist keine Kletterhalle. Während in der Halle der Betreiber für den einwandfreien Zustand der Verankerungen, Expressschlingen und Karabiner zuständig ist, muss im Freien jeder Kletterer selbst einschätzen und eigenverantwortlich entscheiden, ob er dem vorhandenen Material vertraut. Im Zweifelsfall gilt es auf eine Route zu verzichten bzw. das Material auszutauschen. Handelt es sich um einen gewarteten Klettergarten bitte die entsprechenden Informationen über Materialverschleiß an den Halter weitergeben!

Konkret zu Routen mit belassenen Expressschlingen:

  • Jede Expressschlinge kritisch begutachten (beide Karabiner & Bandmaterial) und gegebenenfalls durch eine eigene ersetzen (auch die Qualität des Bohrhakens sollte beurteilt werden!).
  • Für einen reibungsarmen Seilverlauf sorgen, d.h. Expressschlingen bei Bedarf mit eigenem Material verlängern.
  • Die erste Expressschlinge scheint besonders beansprucht zu werden. Steht der Sichernde v. a. beim Ablassen nahe bei der Wand, wird diese weniger eingekerbt.

Einige Tipps für alle, die fixierte Expressschlingen anbringen:

  • Expressschlingen bitte nur in Routen belassen, wo dies auch Sinn macht.
  • Stahlkarabiner werden weniger stark eingekerbt als Aluminiumkarabiner und sind deshalb für fixe Expressschlingen empfehlenswert.
  • An der ersten Zwischensicherung sollte keine Expressschlinge fixiert werden. Dort sollte jeder Routenaspirant seine eigene Expressschlinge einklinken müssen.
  • Länge der Expressschlingen so wählen, dass der Seilverlauf so reibungsarm wie möglich ist.
  • Nicht nur der seilseitige Karabiner, sondern auch der hakenseitige bzw. die Bandschlinge werden abgenützt und können unfallkausal werden. Bitte auch hier entsprechendes Materialverwenden.

Seilrissgefahr Karabiner

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